Akitatreffen


Sankt Peter (Schwarzwald) Pfingsten 2013


HundebegegnungÜber die Akita Mailingliste hatten wir von verschiedenen Akitatreffen erfahren. Es bot sich uns die Gelegenheit an einem dieser Treffen in Sankt Peter (Schwarzwald) teilzunehmen. Hund und Mensch hatten tolle Begegnungen. Es war eine ganz wertvolle Erfahrung die Lust auf mehr gemacht hat.

Berichte, siehe Leiste

Babou und uns hatte es so gut gefallen, dass wir ein weiteres Treffen, diesmal in Luxemburg planten.






Berdorf  (Luxemburg) September 2013


Titelbild

  Foto bearbeitet von Romain Hau

Über Akitas, Akitaner und Sonstige

Montagmorgen, 30. September.

Nach einem  gelungenen Akitreffen am Wochenende, an dem nebst altbekannten Hundenarren, auch mehrere neue Akitaner  mit von der Partie waren, sitze ich am Computer um diesen Bericht zu verfassen. Neben mir, auf seinem orthopädischen Hundebett, schnarcht Babou und träumt von den Damen Shinny, Shika,  Kikyo und Luna. Manchmal zuckt er  zusammen, es scheint so als wären die Rüden Schouei, Akiro und Hiro am defilieren. Dann zittert er, wird steif, springt auf: Sanji ist wohl aufgetaucht .....Dank sei Gott, er legt sich wieder hin und träumt weiter von Evo dem Therapiehund und von den Kampfschmusern Barney und Cheyenne.

Ich träume mit ihm und tauche in die Erinnerungen an dieses Akitatreffen ein.  

Gruppenbild


Freitag, 27. September.

Die Schweizer Sabine und Jörg, mit vier Hunden im Gepäck, rasen im Tiefflug über die deutsche A5, in der Hoffnung noch rechtzeitig um 15:00 Uhr in Berdorf zu sein. Die Strecke über Frankreich wäre wohl die kürzere gewesen, doch schon ehe Hollande den Schmusekurs mit Royale aufgegeben hat, mochten Frankreichs Politiker weder angesiedelte Roma noch durchreisende Kampfschmuser (Staffordshire). Eigentlich schade!
Nichtsdestotrotz, pünktlich um drei ist die Freitagsrunde komplett und nach einer allerseits herzlichen Begrüssungszeremonie (nicht nur Hunde wurden geküsst), wagen wir den Einstieg in die, direkt am Hotel liegende, Schnupperstrecke. Gleich treffen wir auf eindrucksvolle Felsformationen, welche links und rechts unseren Weg säumen.
Shinny Als erste stellt Helga, frohgemut fest: "Das hätte ich aber jetzt nicht geglaubt, dass man hier so schnell auf eine solch wildromantische Gegend trifft !", während Bernd streng darüber wacht dass Babou ihm seine Shinny nicht schon wieder anmacht. Wie bei solchen Mensch- und Hundewanderungen üblich dauert es eine ganze Weile bis die richtige Rangordnung etabliert ist.
Als derjenige der die Wege kannte, sollte ich mit Babou das Leitmenschhundegespann sein. Doch Babou ist mit dieser Rolle doch tatsächlich überfordert und blickt immer wieder hinter sich, um ja nur sicher zu sein dass wir nicht eine von den Hündinnen unterwegs verlieren. Es ist nervig und ermüdend die 42 Kilo immer wieder, teils mit gutem Zureden, teils mit Hilfe der Leine, zum Weitergehen zu animieren, so dass wir schon ziemlich früh eine kleine Trinkpause einlegen. Die beiden Rüden Sanji und Babou, beide asylgeschädigt, hatten beim Start, unter der Kontrolle ihrer Herrchen, auf eine einigermaßen freundliche Art miteinander Bekanntschaft gemacht.
Aber meistens dann, wenn er glaubt die Rüden könnten sich vertragen, wird ein sogar erfahrener Akitaner übermütig. Martin leint Sanji los, der rennt 10 Meter runter zum Bach, Babou an der 15 Meter langen Schleppleine hinterher. Während einer gefühlten Minute trinken die beiden, friedlich Seite an Seite genüsslich aus dem Bach, schlecken sich die Mäuler ab, machen gleichzeitig Kehrt, stehen sich Schnauze an Schnauze gegenüber und können sich offensichtlich nicht darüber einigen wer als erster zu seinem Herrchen laufen soll - es knallt. Gleich Sumoringern entsteht unter wildem Umherschnappen, ein heftiger Ringkampf um den besten Startplatz. Nur durch das schnelle und beherzte Eingreifen von Martin können die beiden ehemaligen Asylanten voneinander getrennt werden. Babou braucht etwas länger als Sanji um wieder zur Ruhe zu kommen, aber beide haben zum Glück nur kleinere Verletzungen davongetragen.
Hohllay1
Putzmunter wandert die Mensch-Hundetruppe weiter, fest entschlossen zwischen den Akitarüden in Zukunft einen gewissen Sicherheitsabstand zu bewahren. Man lernt halt aus der Erfahrung. Bis zum Ort "Hohllay" (Foto) müssen die Akitadamen ihre männlichen Begleiter immer mal wieder in die Schranken weisen und die Buben an ihre doch sonst so tadellosen Manieren erinnern.
HiroHiro beobachtet das Getue um die Gunst der Damen aus der Distanz und schaut Frauchen Sylvie fragend an, wieso sich die Damen Shika und Kikyo denn nun auch von ihm abwenden. Evo, der Therapiehund, ist stark am überlegen ob einige dieser Zicken nicht wirklich eine Behandlung bräuchten.
Die Gruppe entspringt dem Wald und schlendert über einen von der nachmittäglichen Herbstsonne beschienenen Feldweg in Richtung Ortszentrum. Die "Hotelbewohner", nachdem sie sich kurzfristig von den Campern  verabschiedet haben, marschieren, mitsamt Hunden, zurück zum Hotel in Erwartung eines wohlverdienten Bieres. Der diensthabende Kellner hat allerdings einen seiner schlechten Tage, lässt ziemlich lange auf sich warten und teilt uns anschließend in unmissverständlicher Weise mit, dass er nicht gewillt ist einzeln abzurechnen. Unter einem der Tische liegen sich Babou und Schouei entspannt gegenüber, bis zu dem Moment da beide zur Überzeugung gekommen sind sie müssten die Gesellschaft etwas aufmischen. Es scheppert, der Tisch ist verdammt ins Wackeln geraten, Gläser fliegen durch die Gegend, schlagen klirrend auf den Boden und das Hausbier spritzt auf die Blusen der am Tische sitzenden Damen. Ein Akitabesitzer lernt aus Erfahrung, doch wieviel Erfahrung braucht er eigentlich. Klar dass dieses nicht unbedingt ein Beitrag  zum Erhellen des Kellners Laune ist. Das Abendessen im Hotel sollte dann doch einigermaßen friedlich enden, allerdings stark geprägt von meines Großvaters Lieblingstischgebet:
Gott sei's gedankt,
wir haben nicht gezankt,
haben wir uns auch nicht satt gegessen,
so sind wir doch am Tisch gesessen !

Samstag, 28. September

Hunde sind keine Demokraten, das hatten wir am Freitag erlebt. Menschen hingegen bemühen sich, um nach einem langen Meinungsaustausch doch noch zu einem, für jeden annehmbaren, Kompromiss zu gelangen. Für heute Samstag standen mehrere Strecken zur Auswahl und wir hatten uns schließlich auf eine längere Rundtour mit Picknick geeinigt.
Doch erstens kommt es anders, und zweitens als man denkt !
Um 10 Uhr starteten wir beim Hotel. Der Wanderweg war so spannend angelegt, da sich nach jeder Biegung etwas Neues auftat und unsere Fellnasen wohl deswegen ein derart forsches Tempo hinlegten, dass wir eine Stunde zu früh, den für die Mittagspause vorgesehenen, Picknickplatz erreichten. Wir mussten also umdisponieren. Neuer Vorschlag: ein zwei Kilometer langer Umweg zur Wolfsschlucht, anschliessend Picknick.
AbstiegWolfsschlucht
Nun stellte sich aber heraus, dass besagter Umweg gar nicht so ohne war, denn über glitschige Naturtreppen galt es einige Höhenmeter zu überwinden. Eine für Hund und Mensch anstrengende Angelegenheit, bei der mancher Mensch schon mal nach Atem rang, während manche von unseren Fellnasen sich hoch hechelten. Der Abstieg in die Wolfsschlucht erwies sich zusätzlich als nicht ungefährlich und da die Hobbywölfe in dieser Wolfsschlucht auch keinem entfernten Verwandten begegneten, entschloss sich die Gruppe auf flacherem Terrain einfach weiter zu wandern.
PicnicEine gute viertel Stunde später erreichten wir mitten im Wald die Laube des "Trooskneppchen" mit prachtvollem Weitblick über das Abteistädtchen Echternach. Liebevoll wurde von Helga und mir ein eher bescheidenes Picknickbuffet ausgebreitet und zum Verzehr frei gegeben, wobei alle nicht richtig angeleinten Vierbeiner als erste anstanden. Doch ich wusste unsere lieben Hundis mit kleinen getrockneten Heringen wegzulocken. Allerdings verbreiteten diese kleinen Fische einen derart penetranten Gestank dass manchem Zweibeiner der Appetit verging und er schon einige Mühe hatte, den ersten Bissen von seinem Schinkenbrot runterzuschlucken. Das Leben mit Akitas ist nicht immer leicht, aber es lohnt sich. Nach einer guten Stunde entschloss sich die Gesellschaft Echternach, in unmittelbarer Sichtweite gelegen, anzuwandern.
Von nun an ging's bergab. Waren es die paar Bierchen, die wir uns beim Picknick gegönnt hatten, oder hatten unsere Damen die Übersicht verloren, jedenfalls kamen wir unterwegs an einer ganz besonderen Schnüffelstelle vorbei. Mit Begeisterung wurde geschnüffelt und ehe wir uns umsahen, wusste niemand mehr zu welcher Leine wessen Hund gehörte.
Schnüffel1Schnüffel2
In Echternach angekommen gönnten wir uns an einer Terrasse einige Bierchen und Kaffees. Weil diese Tour sich sowieso zu einer Tour mit offenem Ausgang entwickelt hatte und vielen die Lust am Zurückwandern fehlte, musste also spontan eine neue Idee her. Die luxemburgische Eisenbahngesellschaft transportiert seit einiger Zeit Hunde, wenn sie sich zu benehmen wissen, gratis.
CFLbusDie Strecke Echternach-Berdorf wird mit Bussen befahren. Ich erkundigte mich also beim diensthabenden Busfahrer, welcher bestimmt einen seiner besten Tage erwischt hatte, ob er denn auch gewillt sei eine ganze Horde Hundeverrückter mit 10 großen Hunden nach Berdorf zu fahren.

NULL PROBLEMO ! Die Bahn macht's möglich.

Es ist wohl auch in der Hundewelt wie im richtigen Leben, unsere Akitadamen waren die ersten die aus lauter Vorwitz und ohne aufzumucken in den Bus einstiegen, wohl auch um einen Platz am Fenster zu ergattern. Fehlanzeige, im Bus saßen schon viele fensterplatzliebende Zweibeiner. Akiro war sich nicht so sicher ob er denn einsteigen sollte und dachte wohl dieses prismenförmige rotweiße Monster würde mit seinen zwei seitlichen Mäulern Menschen und Tiere fressen. Frauchen Silvia packte ihn an der Brust und hob seinen Vorderlauf auf die erste Stufe, dann stupste sie sein Hinterteil leicht an und schwupps war auch er drinnen. Martin, mit Problemhund Sanji, wurde durch diese Erfahrung zum glücklichsten Menschen des Tages, er konnte einfach nicht glauben dass Sanji jemals in einen Bus einsteigen würde. Aber ein Akita, wenn es darauf ankommt, weiß sich zu benehmen. In der Mailingliste habe ich irgendwann mal einen Beitrag gelesen der besagte, dass es auffallend oft vorkommt dass Akitas aus dem Tierheim ihrem neuen Besitzer sehr dankbar sind und sich zu den besten Hunden der Welt entwickeln. Also es gibt definitiv keine Problemhunde, es gibt nur Menschen die Probleme verursachen und Sanji ist dabei ein toller Kumpel zu werden. Übrigens, Babou sowieso !
Bus1Bus2
Sabine und Jörg's Kampfschmuser hatten sich vorne im Bus hingelegt. Zwei ältere Damen, die wohl glaubten nicht verstanden zu werden, weil wir untereinander deutsch sprachen, tuschelten: "Déi Zort Hënn do, déi missten erschoss ginn." Worauf Silvia, die ja Luxemburgisch verstand, auf deutsch erwidderte: "So garstig können Leute sein, aber Alter schützt vor Torheit nicht." Bis nach Berdorf ward ab jetzt Ruhe im Bus.
An diesem Abend hatten wir dem Kellner unmissverständlich beigebracht dass wir eigentlich heute den Tisch nicht mehr hungrig verlassen wollten. Es hat dann Nachschlag gegeben. Anke und Bernd erklärten uns dann noch ihre Problemlösungsmethode in der Badewanne und ich stelle mir jetzt die ganze Belegschaft des Hotels vor, wie sie nach Feierabend gemeinsam im hoteleigenen Schwimmbad hockt und das Trinkgeld zählt.
Es gibt Akitas, Akitaner und Sonstige.

Sonntag, 29. September

Diesmal hatten wir den Start für unsere kleine Abschiedsrunde vor den Eingang des Campingplatzes "Maartbësch"
verlegt. Unsere sympathische Helga allerdings wartete beim Hotel. Über Handy haben wir sie dann erreicht und um halb elf konnten wir dann die Gruppenbilder machen. Aus dieser Episode ist ersichtlich wie schwierig Kommunikation unter Artgenossen (Menschen) ist und um wieviel schwieriger es wird wenn Mensch und Hund miteinander kommunizieren. Es bleibt noch viel zu tun, packen wir es an !
Einer nach dem anderen verabschiedete sich, ohne aber versprochen zu haben beim nächsten Treffen wieder dabei zu sein und um 10 nach 12 standen nur noch Lily, Babou und ich ganz alleine in Berdorf und lächelten zufrieden.





Berichte:


Sankt Peter (Schwarzwald)

Berdorf (Luxemburg)

  • Carlo mit Babou

Hildesheim (Niedersachsen)